Der erfahrene Kriminalist und Profiler Axel Petermann nahm am 29. April auf dem „Blauen Sofa“ in Gütersloh Platz. Vor ausverkauftem Saal in der Skylobby des Theaters führte Bernd Volland, Redaktionsleiter von „Stern Crime“, durch das Gespräch. Gemeinsam beleuchteten sie die Abgründe menschlicher Psyche, die Möglichkeiten und Grenzen des Profilings – und diskutierten über drei spektakuläre, reale Kriminalfälle, die Petermann in seinem aktuellen Buch „Die Psyche des Bösen“ beschreibt.
Rätselhafter Mord an einer Buchhalterin in einer Käserei
Die Veranstaltung war Teil der renommierten Literaturreihe „Das Blaue Sofa“, die von Bertelsmann im Rahmen der „Culture@Bertelsmann“-Aktivitäten organisiert wird. Das Format hat bereits zahlreiche namhafte Autorinnen und Autoren verschiedener Genres vorgestellt – diesmal jedoch stand die Welt der Kriminalistik im Mittelpunkt. So widmet sich Axel Petermann in „Die Psyche des Bösen“, erschienen im Heyne Verlag, unter anderem dem rätselhaften Mord an einer Buchhalterin in einer Käserei, dem mysteriösen Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens kurz vor der Wende 1989 und der erschreckenden Entwicklung eines elfjährigen Jungen, der später zum dreifachen Mörder wurde. Petermann betont: „Für dieses Buch habe ich drei Schicksale ausgesucht, die mich wirklich sehr berührt haben.“ Mit präziser Analyse und jahrzehntelanger Erfahrung vollzog er nach, wie Täter ihre Opfer auswählen – und warum manche Ermittlungen womöglich zu vorschnell abgeschlossen werden.
„Es kommt immer wieder vor, dass Menschen mich ansprechen und dass sie mich um Hilfe bitten“, erklärte Petermann. „Es geht ihnen um die Frage, warum diese Verbrechen passieren, warum sich manche Menschen in bestimmten Momenten dazu entscheiden, andere zu töten. Es geht darum, die Taten zu verstehen, und nicht darum, Verständnis zu zeigen.“ Petermann weiter: „Mir ist deutlich geworden, dass die Taten immer eine Vorgeschichte haben und dass sie selten aus dem Nichts passieren. Es sind Entwicklungen, Enttäuschungen, persönliche Kränkungen und die Kraft der Situation, die eine Rolle spielen. Ich denke, dass ich einen anderen Blick auf das Verbrechen gewonnen habe.“
Berater für „Tatort“-Krimis und Romanautoren
Axel Petermann, Jahrgang 1952, bearbeitete als Leiter einer Mordkommission in Bremen und stellvertretender Leiter im Kommissariat für Gewaltverbrechen mehr als 1.000 Fälle, in denen Menschen eines unnatürlichen Todes starben. Im Jahr 2000 gründete er die Dienststelle „Operative Fallanalyse“ in Bremen, deren Leiter er bis zu seiner Pensionierung 2014 war. Seitdem ist er als Dozent für Kriminalistik an verschiedenen deutschen Hochschulen tätig. Zudem fungiert er seit 2001 als Fachberater für „Tatort“-Folgen unter anderem aus Bremen, Frankfurt, Leipzig und Münster, für TV-Dokumentationen und Krimi-Autoren wie Thea Dorn und Nele Neuhaus sowie als Moderator der ZDF-Reihe „Aufgeklärt – Spektakuläre Kriminalfälle“. Sein Podcast „Das entscheidende Indiz“, den er seit 2023 gemeinsam mit Teresa Sickert produziert, erfreut sich großer Beliebtheit. Mehrfach landete Petermann mit seinen Büchern auf der „Spiegel“-Bestsellerliste, darunter „Der Profiler“ (2015) und „Im Auftrag der Toten“ (2021). Neben seiner Arbeit engagiert sich Petermann als Botschafter und Schirmherr für die Opferorganisation ANUAS und damit für die Rechte der Angehörigen von Gewaltopfern.