Navigation überspringen
NewsBielefeld23.06.2026

„Wir können bei Bertelsmann Großes bewegen“

Thomas Rabe war Gast der Technologie-Konferenz „Hinterland of Things“ der Founders Foundation in Bielefeld.

Seit 2018 treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der Start-up- und Techszene, internationale Investoren und Entscheider aus dem Mittelstand sowie von großen Unternehmen in Bielefeld auf der Technologie-Konferenz „Hinterland of Things“ – initiiert von der Founders Foundation, die von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird. Rund 2.000 Teilnehmende erkundeten am vergangenen Donnerstag Möglichkeiten für Partnerschaften, fanden Synergien, teilten Wissen und Erfahrungen und schmiedeten Allianzen. Zu den prominenten Gastrednern der Konferenz gehörte der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe. Er stand auf der großen Bühne der Bielefelder Stadthalle im Gespräch mit NTV-Moderatorin Isabelle Körner Rede und Antwort zum Thema „Transformation vorantreiben im Zeitalter von Disruption und KI: Erkenntnisse aus 15 Jahren an der Spitze eines 190 Jahre alten Unternehmens“ – und gab in diesem Zusammenhang auch einige persönliche Einblicke in seine Tätigkeit als CEO bei Bertelsmann.

„Die daraus entstandene Dynamik hat uns getragen“

So konnte sich Thomas Rabe noch gut an den Tag erinnern, als er das erste Mal das Corporate Center von Bertelsmann in Gütersloh betreten hat – „das war 2001, ein Jahr zuvor habe ich bei RTL angefangen“ – und staunte selbst, was seitdem aus dem Konzern geworden ist, welche grundlegende Transformation das Unternehmen seitdem durchlaufen hat. „Das sind praktisch zwei unterschiedliche Unternehmen in zwei völlig verschiedenen Welten“, verglich er den Status damals mit dem von heute. Geschäftsportfolio, Geschäftsmodelle, Technologien und Mediennutzung hätten sich sehr verändert – ebenso wie die Bedeutung von Unternehmertum und Kreativität im Unternehmen.

Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende vollzog diesen Wandel auf Nachfragen von Isabelle Körner nach: von der dringend nötigen Transformation nach seinem Amtsantritt zu Beginn des Jahres 2012 mit neu definierten strategischen Stoßrichtungen – Konsolidierung und Stärkung der Geschäfte, digitale Transformation, Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie die Expansion in neue Wachstumsregionen – über die konsequente Umsetzung und das Nachhalten dieser Umsetzung bis hin zu den Boost- und Boost+-Initiativen mit milliardenschweren Investitionen und dem umfassenden Einsatz von künstlicher Intelligenz. Als ersten Meilenstein seiner CEO-Karriere bezeichnete er den Zusammenschluss von Penguin und Random House zu Penguin Random House im Jahr 2012. „Dieser Megadeal hat uns den Glauben daran zurückgegeben, dass wir bei Bertelsmann Großes bewegen können“, sagte Rabe, „und die daraus entstandene Dynamik hat uns getragen.“ Gerade das starke Wachstum in den USA als wichtigstem Medienmarkt der Welt habe sich für den Konzern ausgezahlt, fuhr Rabe fort und benannte mit China, Indien und der Türkei drei weitere Regionen, in die das Unternehmen ebenfalls viel investiert habe und noch weiter investieren wolle.

„Ich bin dankbar, dass ich die Chance für diese Führungsaufgabe bekommen habe“

Es waren aber auch die persönlichen Geschichten, die Eindrücke und Einschätzungen von Thomas Rabe, die das Gespräch mit der TV-Journalistin prägten. An Bertelsmann als Arbeitgeber habe ihn die langfristig orientierte Aktionärsstruktur gereizt sowie das Führungsmodell mit den hohen Freiheitsgraden für Führungskräfte, die wertschätzende Unternehmenskultur, die Medienbranche als solche und die internationale Ausrichtung der Geschäfte, berichtete er. Gerade Letzteres sei ihm, der in Brüssel mehrsprachig aufwuchs und auf eine Europa-Schule ging, zupass gekommen. „Wenn man ein Unternehmen wie Bertelsmann führt, lernt man, auf die ganze Welt zu blicken, man setzt sich mit vielen verschiedenen Ländern auseinander, nimmt neue Perspektiven ein. Das habe ich stets als sehr bereichernd empfunden“, betonte er seinen internationalen Fokus und berichtete beispielhaft von einer gerade abgeschlossenen Geschäftsreise nach China. „Dort wirft man einen Blick in die Zukunft“, sagte er und zeigte sich begeistert von einer in Peking absolvierten Fahrt mit einem Robo-Taxi. „China ist längst nicht nur ein Produktions-, sondern auch ein Innovationsstandort, in vielen Bereichen technologisch weltweit führend.“

Thomas Rabe ging auch auf seinen Führungsstil als CEO ein. „Führung zu übernehmen, bedeutet, Verantwortung für die Geschäfte und für die Menschen zu übernehmen“, sagte Rabe. „Es bedeutet, Entscheidungen im Team vorzubereiten, sie dann aber selbst zu treffen. Ich bin dankbar, dass ich die Chance für diese Führungsaufgabe bekommen und dass ich die Unterstützung von so vielen Menschen gehabt habe, aber auch meinerseits die Entwicklung von vielen Talenten fördern konnte.“

„Das hat mir auch persönlich viel bedeutet“

Dass der geplante Zusammenschluss von RTL Deutschland mit Sky Deutschland von den Kartellbehörden vor Kurzem genehmigt wurde, habe ihn besonders gefreut. „Das hat mir auch persönlich viel bedeutet“, sagte Thomas Rabe, gerade vor dem Hintergrund, dass andere Zusammenschlüsse wie etwa in Frankreich oder in den Niederlanden nicht erlaubt worden seien. Um im Wettbewerb mit den großen US-Playern zu bestehen, halte er die Stärkung des europäischen TV-Markts für unabdingbar. RTL Deutschland und Sky Deutschland sehe er mit ihren zusammen rund zwölf Millionen Abonnentinnen und Abonnenten nun auf einem guten Weg.

Für die Zeit nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender bei Bertelsmann hat sich Thomas Rabe vorgenommen, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und sein privates Engagement für soziale, wissenschaftliche und kulturelle Zwecke zu verstärken. So habe die Birgit und Thomas Rabe Stiftung seit 2016 bereits rund 20 Millionen Euro für wohltätige Projekte gespendet – darunter das Straßenkinderhaus „Butze“ in Berlin-Lichtenberg, das pro Jahr bis zu 150 obdachlose Kinder und Jugendliche von der Straße holen und ihnen eine Perspektive bieten soll. Es soll noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen, berichtete Thomas Rabe und kündigte an: „Es ist ein großes Privileg, helfen zu dürfen. Hier möchte ich künftig noch mehr tun.“ Bis zu seinem letzten Arbeitstag bei Bertelsmann sei es jedoch noch eine Weile hin, er habe bis dahin noch eine Menge vor. Mit welchem Gefühl er dann das Unternehmen verlassen werde? „Wenn der Moment gekommen ist, wird es wohl eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen sein. Erleichterung sicherlich, aber auch ein bisschen Wehmut, denke ich, und Stolz auf das Erreichte. Und eine große Portion Dankbarkeit, die Chance bekommen zu haben, dieses Unternehmen zu führen.“

Kontakt

Portrait von Markus Harbaum

Markus Harbaum

Leiter Communications Content Team