Beim Treffen der AG Pressefreiheit ging es um aktuelle Herausforderungen für Presse- und Meinungsfreiheit.
Die Bertelsmann-Arbeitsgruppe „Pressefreiheit“ kam am 15. September zu ihrem jüngsten Treffen in den Räumen der Penguin Random House Verlagsgruppe in München zusammen. Zu Gast war der Journalist und Bestseller-Autor Hasnain Kazim, mit dem sich die Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Unternehmensbereiche von Bertelsmann austauschen konnten. Sonja Schwetje, Vorsitzende der Arbeitsgruppe, betonte in ihrer Begrüßung die große Bereicherung durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Teilnehmenden: „Die verschiedenen Perspektiven dieser Arbeitsgruppe sind eine große Stärke“, sagte sie, „sie ermöglichen es uns, Herausforderungen differenziert zu betrachten und voneinander zu lernen.“
Verlagshaus der Meinungsvielfalt
Rebecca Prager, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Penguin Random House in Deutschland, stellte die weltweite Verlagsgruppe vor und verwies auf die enorme gesellschaftliche Reichweite des Unternehmensbereichs Penguin Random House, der jährlich rund 700 Millionen Medienprodukte verkauft und zu dem mehr als 300 Verlage gehören; allein in Deutschland sind es fast 50. „Wir entwickeln und verkaufen sehr viele und sehr unterschiedliche Titel, und mit jedem haben wir die einzigartige Chance, Menschen zu erreichen und zu bewegen. Als ein Haus der Vielfalt ist es unser Anspruch und unsere gesellschaftliche Verantwortung, dass wir unterschiedliche Perspektiven und Meinungen abbilden“, sagte Rebecca Prager. Die Gesprächsrunde verdeutlichte, wie wichtig es ist, unterschiedliche kreative Stimmen zu fördern. Die Verlage bei Penguin Random House arbeiten programmatisch unabhängig und bieten unterschiedliche inhaltliche Ausrichtungen für Autorinnen und Autoren. Die einzelnen Verlage stehen zum Teil auch untereinander in Konkurrenz und stärken so die vielfältige Verlagslandschaft.
Internationale Herausforderungen
Ein Blick in die USA machte deutlich, wie stark die Meinungsfreiheit dort unter Druck steht. Penguin Random House spielt in den USA eine Vorreiterrolle im Kampf gegen „Book Bans“, das Verbot bestimmter Bücher in öffentlichen und Schulbibliotheken. Mit intensiver juristischer und politischer Arbeit sowie Initiativen wie dem „Banned Wagon“, mit dem „verbannte“ Bücher in einem Büchermobil vor Bibliotheken und Buchhandlungen verteilt werden, setzt sich der Verlag für die Freiheit des Lesens ein. Für dieses Engagement wurde Penguin Random House im Juli vom Time Magazine unter den „Time 100 Most Influential Companies“ gelistet.
Debatte um Meinungsfreiheit in Deutschland
Ein besonderes Highlight war die Diskussion mit dem Autor Hasnain Kazim, der via Videokonferenz zugeschaltet war. In seinem aktuellen Buch „Deutschlandtour – Auf der Suche nach dem, was unser Land zusammenhält“ berichtet der ebenso meinungsfreudige wie differenziert argumentierende frühere „Spiegel“-Journalist über seine Fahrradreise entlang der großen Flüsse in Deutschland. Mit dem Ziel, sein Land besser kennenzulernen, sprach er mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, um zu verstehen, was sie eint und was sie trennt. In der Diskussion mit den AG-Mitgliedern sprach Kazim über gesellschaftliche Gräben sowie die Zunahme von Hassrede und extremistischen Tendenzen – von rechts ebenso wie von islamistischer oder linker Seite. Kazim griff eine provokante Frage auf, die ihn bereits auf seiner Fahrradreise durch Deutschland begleitete: „Ist, wer Nazis wählt, damit selbst ein Nazi?“. Dabei ging es nicht um einfache Antworten, sondern um die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Meinungsfreiheit verstanden und gelebt wird. Kazim hob hervor, wie wichtig es sei, Themen zu Gehör zu bringen, andere Meinungen zuzulassen, ohne Vorurteile beladen nachzufragen und die andere Sichtweise verstehen zu wollen. Den gleichen Ansatz verfolgte er auch unterwegs, indem er das Gespräch mit den Menschen suchte, um ihren politischen Standpunkt zu verstehen.
Verantwortung der Verlage
Die Diskussion zeigt sich auch im Verlagswesen: Wie gelingt es, ein breites Spektrum an Meinungen abzubilden, ohne Hassreden oder Falschinformationen eine Plattform zu bieten? Welche Risiken entstehen, wenn Autorinnen und Autoren sich aufgrund des gesellschaftlichen Klimas nicht mehr in bestimmten Umfeldern verlegen lassen wollen?
Sabine Niemeier, Verlagsleitung des Bereichs Heyne Sachbuch bei der Penguin Random House Verlagsgruppe, fasste es so zusammen: „Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld: Einerseits wollen wir die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt und die Positionen eines breiten Publikums abbilden, andererseits braucht es Leidenschaft und Überzeugung, um Bücher in die Welt zu bringen. Persönliche Meinungen, Vorlieben oder Abneigungen dürfen dabei nicht das entscheidende Kriterium sein. Unser Anspruch ist es binnenpluralistisch zu sein und ein breites Spektrum bei den Büchern abzubilden.“
Die Teilnehmenden waren sich einig: Meinungsfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine zentrale Voraussetzung für Demokratie – und damit ein permanenter Auftrag für Medienhäuser und Verlage. Die Arbeitsgruppe „Pressefreiheit“ wird ihre Arbeit mit diesem Anspruch fortsetzen und auch künftig als Plattform für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Strategien dienen.