Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2021, war zu Gast in der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden 1. Dort traf er auch den Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Thomas Rabe. Bei einem von seinem deutschen Verlag Penguin organisierten Pressegespräch diskutierte der Autor aus Sansibar, der vor allem durch seine literarische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Ostafrikas bekannt wurde, zunächst jedoch mit der ZDF-Moderatorin Jana Pareigis über sein Werk und beantwortete die Fragen der zahlreich angereisten Journalisten. Begleitet wurde das Gespräch von einer Lesung aus Gurnahs Roman „Ferne Gestade“ von 2001, den Penguin gestern wiederveröffentlicht hat, durch den bekannten Hörbuchsprecher Frank Arnold.
„Gurnahs Bücher offenbaren Seite für Seite eine tiefe Kenntnis des menschlichen Wesens an sich, seiner immerwährend verworrenen und oft absurden Verhaltensmuster in Leid und Glück, in Bedrängnis und Freiheit, in Dunkelheit wie Schönheit“, sagte die Penguin-Verlegerin Britta Egetemeier in ihrer Begrüßung. „Am Ende geht es nicht darum, woher ein Mensch stammt oder was seine Geschichte ist, sondern darum, was uns verbindet und verbinden kann.“ Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Lesereise, die den Autor in dieser Woche nach München, Köln, Berlin und Leipzig führt. In Leipzig ist Gurnah unter anderem Gast auf dem Blauen Sofa, dem gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat.
Als die Schwedische Akademie in Stockholm im vergangenen Oktober den Literaturnobelpreis 2021 dem Schriftsteller zuerkannte, war die Überraschung in der Buchwelt groß. In den meisten Sprachen waren Abdulrazak Gurnahs Werke, so sie denn überhaupt übersetzt wurden, längst vergriffen. Diesen Umstand machten sich damals der Penguin Verlag zunutze und sicherte sich rasch die Rechte für die deutschsprachigen Ausgaben der bekanntesten Werke des Autors, den die Nobelpreisjury „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“ ausgezeichnet hatte. Bereits Anfang Dezember 2021 veröffentlichte Penguin dann den Roman „Das verlorene Paradies“, mit dem Abdulrazak Gurnah 1994 der internationale Durchbruch gelang. Das Buch steht seit Erscheinen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste und verkaufte sich bisher fast 80.000-mal. Gestern folgte mit „Ferne Gestade“ ein weiteres, bedeutendes Werk des Autors, das die verschlungene Lebens- und Fluchtgeschichte zweier Menschen aus Sansibar erzählt. Der Roman war im Original 2001 erschienen und wurde damals für den Booker-Preis nominiert, den bedeutendsten Buchpreis der angelsächsischen Welt. Für diesen Herbst hat Penguin den jüngsten, 2020 im Original veröffentlichten Roman Gurnahs angekündigt, der noch nie auf Deutsch erschienen ist: „Nachleben“.
NewsBerlin–14.03.2022
Bertelsmann begrüßt Abdulrazak Gurnah
In der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden 1 fand ein Pressegespräch mit dem Literaturnobelpreisträger 2021 statt. Das Pressegespräch war Auftakt für eine einwöchige Lesereise des Schriftstellers aus Sansibar.