Insgesamt 385 Bewerbungen hatte Stefanie Hörner geschrieben, bevor sie endlich einen Arbeitsplatz in der Retourenabteilung bei Arvato Düren erhielt. An ihr und ihren Fähigkeiten lag es nicht. Allerdings ist ihr Hörvermögen seit einem schweren Unfall im Jahr 2003 beeinträchtigt. „Ich wurde zu vielen Gesprächen eingeladen. Aber immer, wenn ich erwähnt habe, dass Telefonieren problematisch ist, kam eine Absage“, berichtet sie. Ihre Einschränkung verschwieg sie in späteren Bewerbungsprozessen eher. Umso zufriedener ist sie, dass es nun bei Arvato geklappt hat, wie auch das IHK-Magazin der Industrie- und Handelskammer Aachen berichtete.
Claudia Breuer ist Vertrauensperson der Schwerbehindertenvertretung am Arvato-Standort Düren. Sie fand gemeinsam mit Stefanie Hörner einfache Lösungen. „Die eigene Behinderung beim Arbeitgeber zu erwähnen oder ein Antragsverfahren auf Schwerbehinderung anzugehen, wird oft als Hürde empfunden. Aber es geht nicht um die Behinderung. Es geht um einen Nachteilsausgleich. Denn jeder Mensch mit Behinderung hat Nachteile, die wir versuchen, durch den Antrag auszugleichen“, sagt Claudia Breuer.
Nachteilsausgleich am Arbeitsplatz
Diesen Ausgleich fand die Schwerbehindertenvertreterin auch im Fall von Stefanie Hörner. Arvato installierte einen Spiegel an Hörners Arbeitsplatz. Dadurch kann sie sehen, wenn sie von hinten angesprochen wird. Das Telefon überträgt via Bluetooth Tonsignale und Sprache automatisch an Hörners Hörgeräte. Damit kann sie ohne Probleme telefonieren. Inzwischen ist Hörner seit 2013 im Unternehmen.
Die Zahlen am Standort Düren sprechen für Breuers langjährige erfolgreiche Arbeit als Schwerbehindertenvertretung. Rund 50 der 600 Mitarbeitenden sind Menschen mit Behinderung, der Standort liegt damit über der gesetzlichen Quote. „Darauf bin ich stolz“, sagt sie. Breuer nutzt unter anderem Anlässe wie den jährlichen „Tag der Menschen mit Behinderung“ am 3. Dezember, Mitarbeiterversammlungen und Betriebsratssitzungen, um Aufmerksamkeit auf das Thema Menschen mit Behinderungen zu lenken.
Eigene Story im IHK-Magazin
Seit August dieses Jahres ist Claudia Breuer, zusätzlich zu ihren Aufgaben in Düren, als Gesamtschwerbehindertenvertreterin für Arvato zuständig. Außerdem widmete ihr das IHK-Magazin der Industrie- und Handelskammer Aachen eine eigene Story. Unter der Überschrift „Gleichberechtigt und wertgeschätzt“ begleitete das Magazin Breuer bei ihrer Arbeit.
„Inklusion ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern wird bei uns auch als Chance für den Betrieb wahrgenommen, von der Vielfalt der unterschiedlichen Perspektiven der Mitarbeitenden zu profitieren“, sagt Claudia Breuer. Sie selbst ist an Multipler Sklerose erkrankt. Das hilft ihr bei der Arbeit: „Ich habe feine Antennen“, sagt sie.