Tova Friedman, Holocaust-Überlebende und Autorin der Penguin Random House Verlagsgruppe, hat gestern bei der Gedenkstunde anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im deutschen Bundestag gesprochen. Sie spreche nicht für sich selbst, „sondern im Gedenken an sechs Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder, die ermordet wurden, weil sie jüdisch waren – darunter eineinhalb Millionen Kinder“, sagte Tova Friedman. Sie gehöre zu der schwindenden Zahl an Überlebenden, die noch Zeugnis ablegen könnten. „Wir tun dies nicht, um alte Wunden aufzureißen, sondern um dem Erinnerungsverlust entgegenzuwirken. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Vergessen niemals neutral ist – es ist gefährlich“, betonte sie. Und sie appellierte an die Zuhörerinnen und Zuhörer: „Möge die Erinnerung zur Verantwortung führen. Möge die Verantwortung zum Handeln führen. Und möge das Handeln dafür sorgen, dass ‚Nie wieder‘ nicht nur eine Parole ist, sondern eine bleibende Verpflichtung.“
Die 1938 im polnischen Gdynia geborene Tova Friedman war gerade einmal vier Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter in ein Konzentrationslager deportiert wurde, mit sechs kam sie nach Auschwitz-Birkenau, wo sie am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee befreit wurde. Nach dem Krieg lebte und arbeitete sie in den USA und Israel als Therapeutin. Mit ihrer gestrigen Rede folgte sie einer Einladung des deutschen Parlaments, die im vergangenen Jahr ausgesprochen wurde.
500.000 Follower auf Tiktok
Heute gehört Tova Friedman zu den engagiertesten Stimmen der Überlebenden: Ihr Leben widmet sie der Erinnerung an die Shoa und dem Kampf gegen Antisemitismus. Auf ihrem Tiktok-Kanal, den Friedman mit ihrem Enkel betreibt, klärt sie mehr als 500.000 Follower der nachfolgenden Generationen über die Verbrechen und die Methoden des Nationalsozialismus auf. Bei der Penguin Random House Verlagsgruppe sind zwei Bücher von Tova Friedman erschienen: „Ich war das Mädchen aus Auschwitz“ (Penguin Verlag) und „Wir Kinder von Auschwitz – Wie ich das Todeslager überlebte“ (Cbj).
Im Vorfeld ihrer Rede vor dem Bundestag hatten bereits zahlreiche deutsche Medien über Tova Friedman berichtet, darunter die „Tagesschau“, bild.de, taz.de, die „FAZ“, die „Jüdische Allgemeine“, der „Focus“ und der NDR. Bei der TV-Nachrichtensendung „Tagesthemen“ sprach Friedman gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman und Moderator Ingo Zamperoni darüber, was es ihr bedeutet, im Bundestag zu sprechen.